Achtsamkeit

Achtsamkeit | Anne Steinmann

„Denn das ist eben die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu allem macht.“

Johann Wolfgang von Goethe

Achtsamkeit kann klar von Konzentration unterschieden werden: Konzentration besteht darin, sich mit der ganzen Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt, einen begrenzten Bereich zu fokussieren, wohingegen Achtsamkeit eine dazu entgegengesetzte Ausrichtung hat: der Fokus der Aufmerksamkeit wird vielmehr weit gestellt, so dass eine umfassende, klare, hellwache, nicht wertende Offenheit für die Wahrnehmung des gegenwärtigen Momentes entstehen kann. Achtsamkeit ist Präsenz, Gewahrsein dessen, was in jedem einzelnen Moment in uns und um uns herum geschieht, ganz in der Gegenwart, im Hier und Jetzt zu sein - ohne etwas zu bewerten oder zu verurteilen.

Achtsamkeitsübungen

Achtsamkeitsübungen wollen den Menschen für den jeweils gegenwärtigen Moment öffnen, seine Aufmerksamkeit schulen und die Wahrnehmung für sich und seine Umgebung schärfen. Die Einübung und Entwicklung einer breiten Achtsamkeit ermöglicht psychologisch ein offenes und umfassendes Gewahrwerden – und mit der Zeit schließlich auch beständiges Gewahrbleiben – aller geistigen Vorgänge einschließlich eines unablässigen Gewahrseins seiner Wahrnehmungen vom eigenen Handeln und Verhalten in der jeweiligen Umwelt.

Achtsamkeit kann man jederzeit in den Alltag übertragen, in dem man alles, was man tut, achtsam – langsam - tut, jede Bewegung ganz bewusst macht, ganz bei dem ist, was man eben gerade macht: Sich achtsam bewegen, achtsam gehen, essen, reden, zuhören, sich achtsam die Haare bürsten, achtsam die Geschirrspülmaschine ausräumen, achtsam Fenster putzen, achtsam telefonieren, Fahrrad fahren, Radio hören usw. Eine sehr gute Übung zur Schulung der Achtsamkeit ist es, in die Natur zu gehen und mit seinen Sinnen wahrzunehmen – zu hören, zu spüren, zu riechen und nicht zu analysieren oder zu denken.

In der Schulung der Achtsamkeit durch Meditation kommt man zur Ruhe und lernt, sich immer weniger von den kontinuierlich störenden Gedanken, Bildern, Erinnerungen, Emotionen von dem ablenken zu lassen, was man eigentlich achtsam betrachten will. Dies ist der eigentliche Kern des Achtsamkeitstrainings.

Hierbei ist nicht nur die Schulung unseres Aufmerksamkeitsvermögens erforderlich, sondern auch unserer Fähigkeit zur Offenheit und Annahme dessen, was zu diesem Zeitpunkt bereits geschehen ist und was wir deshalb nicht mehr ändern können. So ist es notwendig, geduldig, wohlwollend, annehmend, liebevoll, konsequent, bestimmt und nicht urteilend immer wieder zum Objekt der Aufmerksamkeit zurückzukehren, sobald wir unser gedankliches Abschweifen bemerkt haben. Der innere Beobachter kann dabei stets hilfreich zur Seite stehen und uns das Abschweifen vom Meditationsobjekt bewusst machen.

Für die Achtsamkeitspraxis sind Liebe und Mitgefühl unerlässlich. Sie sind deren Seele. Sie verbinden uns mit uns selbst und allen Menschen um uns herum. Authentische Achtsamkeit ist stets liebe- und friedvoll und fühlt sich leicht, ganz weich und doch wach und klar an. Es ist eine fließende Präsenz, die an nichts festklebt, die sich nichts einverleibt, ähnlich wie ein klarer Bach, der frisch über die Steine fließt, jeden Stein kurz berührt und umspült und schon wieder weiterfließt, ohne anzuhalten, ohne sich irgendwo zu stauen, voller lebendiger Energie, Klarheit und Frische.

Davon profitiert letztlich auch der Organismus, etwa indem das Stressniveau sinkt, das Selbstbewusstsein wächst oder körperliche Warnsignale besser wahrgenommen werden; zur Wirkung, die Achtsamkeitsübungen haben, zählt auch die Wertschätzung von anderen und deren Sein sowie ein größeres Einfühlungsvermögen.

Aktuelle Kursangebote finden Sie hier.